Die Naturheilkunde, auch Medizin der natürlichen Heilkraft genannt, ist eine Praktik, in der man versucht, auf natürliche Weise den Gesundheitszustand wiederherzustellen.
Zur Heilung von Krankheiten und Wunden werden anhand verschiedener Methoden die körpereigenen Fähigkeiten und Kräfte aktiviert, um die gestörte Harmonie des gesamten Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen (Selbstheilung). Die Anwendungsmethoden können sehr verschiedenartig sein und reichen von Massagen, Hydrotherapien, Akupunkturen, Physotherapien und Aromatherapien zu vielen anderen.
Diese naturorientierte Gedankenschule geht auf das Ende des 8. Jhdts. zurück. Von den USA ausgehend hat sie sich in verschiedenen Formen auf der ganzen Welt verbreitet.
Der Begriff wurde im Jahr 1895 vom amerikanischen Arzt John Scheel geschöpft und hat seine Wurzeln im Englischen: „nature“ und „path“, wovon „nature’s path“, „der Weg der Natur“ abgeleitet wird. Umstritten bleibt jedoch die etymologische Bedeutung dieser Wörter auf Lateinisch „natura“ und auf Griechisch „pathos“ (Sympathie, Einfühlungsbereitschaft, Gefühl, Leiden), dessen logisches Resultat „Einflühlungsbereitschaft in die Natur“ wäre.
Im Jahre 1902 ermächtigte Scheel
Lust, einen von Deutschland in die USA ausgewanderten Mitbruder von Pfarrer Kneipp, den Begriff „Naturheilkunde“ zur eklektischen Sammlung von Doktrinen über die natürliche Heilung zu verwenden. Der Ausdruck verbreitete sich daraufhin in den USA, im Vereinigten Königsreich und im Commonwealth und wurde später sogar von der WHO anerkannt; die Naturheilkunde respektiert die Grundheilprinzipien (wie Erde, Sonne, Wasser, Speisen etc.) in Verbindung mit der modernen Wissenschaft.
Grundsätze der Naturheilkunde
Das Konzept des Heilens besteht darin, die Person auf einen energetischen Ausgleich zu bringen. Die Krankheit ist nämlich die Konsequenz eines energetischen Ungleichgewichts. Die Korrektur eines solchen bedeutet folglich das Verschwinden der Symptome.
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Die Naturheilkunde unterscheidet sich von der Schulmedizin (von den Naturheilpraktikern als allopatische Medizin bezeichnet) in folgenden Punkten:
- Sie betrachtet die Krankheit als ein energetisches Ungleichgewicht (Grundprinzip der traditionellen chinesischen Medizin);
- Sie hat einen holistischen Ansatz gegenüber Patienten (holistisch bedeutet „vollständig“ - auf eine Gesamtbewertung bezogen). Folglich wird zur Identifizierung und Beseitigung des Ursprungs eines energetischen Ungleichgewichts nicht einzig und allein auf die Untersuchung der Symptome geachtet, sondern auf die Erforschung aller Verhaltensweisen der Person (Lebensstil, geobiologische Komponenten des Wohnorts usw).
Der energetische Ausgleich kann anhand spezifischer Massagetechniken, die sich auf die Prinzipien der traditionellen chinesischen Akupunktur basieren, erreicht werden: Stimulation von bestimmten Bereichen des Körpers durch nicht-invasive Methoden, wie Fingerdruck-Techniken und Akupunkturen.
Die Naturheilkunde ist kein Ersatz der Schulmedizin, sondern ein alternatives oder komplementäres Instrument zur Krankheitsannäherung (durch verschiedene synergische Eingriffe). Die Naturheilpraktiker behaupten z.B. nicht Krebs heilen oder entfernen zu können, jedoch diesen sehr wohl, durch integierte Therapien, vorbeugen zu können.
Die Geschichte
Die Geschichte und Verbreitung der Naturheilkunde variiert von Land zu Land. Das zeigt eine kleine, diesbezügliche bibliographische Nachforschung: ca. 320 englische Titeln, ca. 120 auf Deutsch und nur ca. 7 in italienischer Sprache. Das eben angeführte Resultat ist stark an die Gesundheitsgesetzgebung der verschiedenen Länder gebunden, in denen sich heute noch Meinungsverschiedenheiten zwischen angelsächsischem und römischem Recht bemerkbar machen.
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Das 17. Jhdt. steht unter Einfluss der großen Entdecker wie Newton, Pascal, Kepler, Galileo und zwei Argumente sind besonders gefragt: die „Iatrochemie“ und die „Iatromechanik“, wobei man versucht, die Medizin unter die Macht der genauen Wissenschaft zu bringen. Es werden die ersten wissenschaftlichen Zeitungen produziert. Aus der großen Zusammenarbeit zwischen der natürlichen Wissenschaft und der Medizin entsteht die „experimentelle Medizin“.
Die großen Epidemien wie der Pest, Pocken und Typhus fordern mehr als eine Million von Opfern allein in Norditalien; man studiert Diphterie und Scharlach und allerorts verbreitet sich das Interesse für Hygiene sowie sozialen und legislativen Schutz. Im 18. Jhdt. geschieht eine systematische Neuordnung der Wissenschaft, wobei sich der Einfluss der Philosophie auf die Medizin besonders in Deutschland bemerkbar macht.
Diese systematische Neuordnung zeichnet sich vor allem in den Werken zweier großer Ärzte ab:
- • F. Hoffman behauptet, dass unser Wissen beschränkt ist, da es auf den Sinnen begründet ist. Die Krankheit stellt den Versuch der Seele dar, die Lebensordnung auf die schnellste und sicherste Weise wiederherzustellen.
- • G.E. Stahl spricht von der Seele als oberstes Prinzip des Lebens.
Obwohl die systematische Neuordnung die Wahrheit der vitalistischen oder dynamischen Anschauung wahrnimmt, wird diese leider nicht immer entsprechend verwirklicht.
William Culler aus Edinburgh streicht die Wichtigkeit des Nervensystems hervor, während sein Lehrling J. Brown behauptet, dass das essentielle Leben ein nicht normaler Status sondern ein von immerwährenden Reizen gezwungener und gehaltener Zustand sei (Beruhigungsmittel und Aderlass sind Teil seiner Kur). Von der Systematik-Orientierung gehen auch andere Systeme hervor wie der Mesmerismus oder der tierische Magnetismus.
Ein Zeitgenosse ist Hahnemann, ein deutscher Arzt, der den gestörten Mechanismus (der das Ungleichgewicht hervorgerufen hat) individuiert und die natürlichen Abwährkräfte des Körpers stimuliert. Er entwickelt das Konzept der „Ähnlichkeit“ (Similia Similibus) und wird als Vater der homöopathischen Doktrin bezeichnet.
Das 19. Jhdt. sieht eine Verstärkung der medizinischen Wissenschaft, der Forschung und der professionellen Praxis.
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Die großen intellektuellen, sozialen und politischen Strömungen sowie die Fortschritte der Physik und der Chemie beeinflussen die Medizin sehr. Von der mikrobiologischen geht man zur neuen hippokratischen Anschauung, die sich folglich in zwei Richtungen spaltet: die klinisch-heilkräftige und die hygienisch-vorbeugende (Evolution der klassischen Begriffe der antiken griechisch-römischen Medizin). In diesem Zusammenhang ergreift die westliche Naturheilkunde in Europa Besitz, vor allem aber in Deutschland.
Auf der anderen Seite strukturiert J.J. Rousseau mit seinem Gedanken die philosophischen Basen der Naturheilkunde: ein einfaches und ruhiges Leben in Kontakt mit der Natur.
1865-1933: Deutschland - Schönenberger ist der Erste, der die Naturheilkunde in Kontakt mit dem Krankenhaus bringt und die Naturheiltherapien in klinisch, offizieller Form systematisiert.
J. Thomson und Stanley Lief, die größten, englischen Naturheilkunde-Anhänger, unterstreichen die Wichtigkeit des Heilfastens, der stabilen Darmfunktion, der warmen Bäder und frischer Luft sowie der Bettruhe… Das Trinken von Orangensaft für 72-93 Tage gegen rheumatische Arthritis und Anämie.
Arno R. Kögler, Canada, 1898 in Niedersachsen geboren, ist das Modell der Inspiration der neuen Generation der Naturheilkunde-Studenten.
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